Postmortem-Fotografie

Ein Blick zurück

 

Die früher weit verbreitete Tradition der Post-Mortem-Fotografie ist heute schon fast in Vergessenheit geraten. Vor allem im viktorianischen Zeitalter war es eine gängige Praxis, Verstorbene abzulichten und sie so in Erinnerung zu halten.

Durch die Erfindung der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Wandel der Trauergewohnheiten. Fotografie war die kostengünstigere Alternative zu gemalten Portraits. Fotos der Verstorbenen waren oft das einzige Erinnerungsstück, das den Angehörigen blieb.

Vor allem verstorbene Kinder wurden häufig postmortal abgelichtet - im Kreise der Familie.


keltisches Grabkreuz in Südengland

keltisches Grabkreuz in Südengland

Dabei wurden anfangs Nahaufnahmen des Gesichts gemacht und darauf geachtet, die Kinder in einer gewohnten Umgebung abzulichten, sie schlafend darzustellen oder möglichst lebensecht zu drapieren. Später zeigte man die Verstorbenen vor allem im offenen Sarg.

Diese für manche etwas seltsam anmutende Praxis war für die Menschen dieser Zeit oft die einzige Möglichkeit, ihre Geliebten abzulichten und half ihnen bei der Trauerbewältigung.

Die Postmortem-Fotografie erfuhr in der späten Viktorianischen Epoche (1880 - 1910) ihren Höhepunkt: Diese Entwicklung ging mit der traurigen Tatsache einher, dass die Sterberate bei Kindern sehr hoch war.

Erst Mitte des 20. Jahrhundert begann die Tradition nach und nach zu verschwinden. In den Vereinigten Staaten konnte sich die Post-Mortem-Fotografie am längsten halten, vor allem in jenen Regionen, die stark von Religiosität geprägt waren.

Ein Blick nach vorne

Seit einiger  Zeit erfährt die Postmortem-Fotografie eine Renaissance, allerdings in einer weniger inszenierten Form. Man hat erkannt, dass Themen wie Trauer und Tod Teil von uns Menschen sind und somit in die Erinnerungskultur erneut Einzug halten sollten.